eigentlich ist es eine ‘Königinnendisziplin’   🙂

Begonnen haben wir letztes Jahr – Nach zwei verschiedenen Kursen zur Königinnenzucht wurde die erste, eigene Serie Königinnen versucht – auf den ersten Blick erfolgreich, doch 1 Jahr später waren wir nicht glücklich. Wir haben 2 eigene Königinnen über den Winter gebracht – verglichen zum Aufwand ist es wenig. Trotz aufwendigem Grübeln fanden wir nichts was falsch am Ablauf war. Die Zucht eigener Königinnen soll weiter ein künftig fester Bestandteil unseres Imkerns sein – jetzt ist die Zeit der Saison für die nächste Zuchtserie – wir sind gespannt:

3 / 5 / 8 – eine Königin ist gemacht… Wir haben vor 12 Tagen ‘umgelarvt’ – also gerade dem Ei (3 Tage sind Ei-Zeit) entwachsene Larven in einen Zuchtrahmen gesetzt – hier ein schönes, lehrreiches Video dazu. Das ist nicht leicht – ich gestehe – ich kann das nicht, ich bin zu alt, meine Augen zu schlecht, ich zittere   🙂  Es bedarf einer sehr ruhigen Hand, einem guten Auge. Als ‘Zuchtvolk’ haben wir ein Bruträhmchen einer Reinzuchtkönigin genommen, einer gekauften Königin, die heuer sehr angenehm war. Ruhige Bienen, starkes Volk, keine Schwarmtendenz und zudem auch überdurchschnittlicher Honigertrag. Also gute Vorraussetzungen, um davon Töchter zu haben. Wir sind zu klein, um ‘professionelle Zucht’ durchzuführen – die Auswahl des Muttervolkes sollte aus 20 Völkern erfolgen, die unter gleichen Bedingungen leben. In diese Imkergröße werden wir nicht kommen – also wir züchten nicht, wir vermehren nur. Von den Bienen mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Für den eigenen Bedarf. Wir wollen regelmäßig ca. 1 Drittel unserer Völker durch Jungvölker, Ableger ersetzen und dazu eigene Königinnen verwenden. Ab und zu werden wir Reinzuchtköniginnen zukaufen – aber nur zum Auffrischen, zum Vergleich. Langfristig sollen die Völker von unseren eigenen Königinnen sein.

Zwei starke, jedoch weisellose Völker dienten zur Pflege und Aufzucht der Larven. Ein Volk bekam einen Zuchtrahmen mit 10 Larven, das andere nur 8.  Das erste Bild hier zeigt schön wie die Bienen sich auf die Larven gestürzt und Königinnen daraus angesetzt haben.

Von diesen 18 Larven wurden 14 angenommen und zur Königin gefüttert/gepflegt – das ist eine gute Quote, die uns Freunde macht. Es kann nämlich leicht passieren, dass beim Umlarven das kleine Baby verletzt wird oder die Larve von den Bienen als künftige Königin nicht angenommen wird. Schön zu sehen ist hier auf dem mittleren Bild, dass die Mädels leider gerne etwas übermütig bauen. Die Zellen der künftigen Königin sogar in frischen Wabenbau einbinden. Der Zuchtrahmen bietet viel freien Platz in einem bienenstarken Pflegevolk und Platz wird gerade bei guter Tracht gerne genutzt. Nach 5 Tagen als Larve wird die Königinnenzelle verdeckelt. Dann reift die Larve in ihrer geschlossenen Zelle noch 8 Tage bis zum Schlupf als Königin. Die ersten 1-2 Tage und die letzten 1-2 Tage dieser Reifezeit sind ‘relativ ungefährlich’. Die mittleren 4-5 Tage sind sehr sensibel – leichte Erschütterungen, Störungen können die Entwicklung zur Königin so stören, dass keine Königin schlüpft. In der Königinnenzucht gibt es in jeder Phase Ausfälle. In der Annahme der Larve sind es oft 10-20% die nicht gepflegt werden. In der 8-tägigen Reifezeit sicher auch 10-20%, die den Schlupf nicht erleben. Und nun kommt noch ein sehr wichtiges Imker-Werkzeug, der Lockenwickler   🙂 Und der passt nicht auf eine mit Wabenbau geschmückte Weiselzelle.

Wozu dieser Käfig dient? Die erste Königin, die schlüpft, duldet keine Konkurrenz – Wie es bei uns Menschen ja auch ist…   🙂   Ein weiselloses (Königinnenloses) Bienenvolk verlässt sich nicht auf 1 Königinnenzelle. Es werden viele Larven zur Königin gepflegt – einfach um das Volk abzusichern, zuviel kann passieren. Es will/braucht nur 1 Königin, aber diese muss gesichert sein. Schlüpft eine, braucht es keine weiteren. Die Prinzessin räumt dann ihre Konkurrenz weg. Das will der Imker bei der Zucht natürlich nicht.

Darum wird ‘verschult’ – hier ein Video dazu. Es kommt ein Schutzkäfig über die verdeckelte Königinzelle. Das passiert am besten unmittelbar nach dem Verdeckeln, also so ca. am 9. Tag nach Eilage und bevor die sensiblere Zeit in der Reifephase beginnt. Es verhindert auch gleich den Verbau mit Wachs wie im mittleren Bild zu sehen. Das gibt dem Imker auch etwas Ruhe, dass durch einen Frühstarter nicht die ganze Zuchtserie vernichtet wird. Jede Königin hat nun unabhängig vom Schlupf der Konkurrenz die Zeit und Ruhe sich zu entwickeln. Gerade Zucht ist immer ‘termingebunden’ und das sehr streng. Diese Zuchtserie kommt diesen Samstag, 01.07 um 08:00 auf die Belegstelle (‘unsere’ ist nur Fr./Sa geöffnet). Alle Schritte vorher (Pflegevolk auswählen/vorbereiten, Zuchtvolk auswählen, umlarven, verschulen/käfigen, Bienen für die Apidea vorbereiten, Apidea befüllen, …) sind genau auf diesen Termin abgestimmt. Jeder Schritt vorher festgelegt mit festem Plan/Termin. An welchem Tag muss umgeweiselt werden, um an Tag X ein Begattungskästchen auf die Belegstelle zu bringen. An welchem Tag muss verschult/gekäfigt werden. Alles wird rückgerechnet vom Tag der Belegstellen Aufbringung. Und muss an diesem Tag passieren.

Viel Arbeit und Aufwand für 1 Biene    🙂   Es ist ein wichtiger Teil der eigenen, imkerlichen Betriebsweise, wie mit Königinnen umgegangen wird. Die Königin bestimmt den Charakter des Volkers, die Eigenschaften ihrer Bienen (Sanftmut, Schwarmneigung, Honigleistung,…). Sie können gekauft werden (die Anzahl der Königinnenzüchter wird aktuell wohl eher weniger)  – Preise sind nach oben offen, es gibt Zuchtkarten und Stammbaum von Reinzuchtköniginnen vom Züchter. Es kann auch einfach den Bienen überlassen werden, sich ihre Königinnen zu machen (das kann auch zu wilden Völkern führen, die mit ‘Sanftmut’ nicht viel am Hut haben…) . Eher wenige Imker züchten/vermehren aktiv. Es ist viel Aufwand, termingebunden und nur ein Teil der umgesetzten Larven wird eine begattete Königin. Wir haben in dieser Serie 18 Weiselnäpfchen beim Umlarven gefüllt, 14 davon wurden angenommen, 14 sind geschlüpft. Es muss sich nun zeigen, wieviele davon erfolgreich begattet werden und dann zu einer volkstragenden Königin werden.  Wir sind schon glücklich und stolz wenn unsere Quote bei 50% liegt, bezogen auf die Anzahl des Umlarvens.

Weitere Links zum Thema:

Leitlinie für eine gute Hygienepraxis in Imkereibetrieben Veröffentlicht mit Erlass: BMGFJ-75220/0006-IV/B/7/2008 vom 31.1.2008 -> HIER als PDF. Es sind 29 Seiten und die Grundlage eines sehr wichtigen Themas. Als Imker muss ich mich auch mit lebensmittelrechtlichen Vorschriften auseinandersetzen. Es ist ein langer Weg, das Imkerhandwerk – die Völkerführung zu lernen. Im ersten Jahr gibt es oft noch keinen Honig. Spätestens im 2. Jahr wird das passieren und dann wird es zur Imkerei auch wichtig, sich mit dem Schleudern, Abfüllen, Lagern zu beschäftigen und man ist schon mitten in der Lebensmittelsicherheit. Mit dem ‘In Verkehr bringen’ – das ist auch schon das Bereithalten für den Verkauf, das Verschenken an Freunde und Bekannte –  ist man als Imker ein Lebensmittelunternehmer. Damit unterliegt man sofort lebensmittelhygienischen Vorschriften, die dazu bestimmt sind, den Verbraucher vor gesundheitsgefährdenden Einflüssen durch Lebensmittel zu schützen. Das ist auch richtig und gut so.

Wir haben gerade zum dritten mal den Hygienekurs besucht:

  • Hygienekurs 4 Stunden 04/2017   Wien
  • Hygienekurs 4 Stunden 09/2015 Warth
  • Hygienekurs 4 Stunden 03/2014   Wien

und dabei jedes mal dazugelernt – es ändern sich Vorschriften, eigene Erfahrungen bringen auch ein besseres Verständnis und eine Auffrischung ist hilfreich die eigenen Abläufe zu verbessern.

Etwas erleichternd ist, dass die Honiggewinnung/verarbeitung ebenso wie die anderen Imkerprodukte der Urproduktion/Primärproduktion zuzuordnen sind (wo ausschließlich kleine Mengen von Primärerzeugnissen direkt an den Endverbraucher oder an örtliche Einzelhandelsbetriebe abgegeben werden). Diese Arbeiten unterliegen daher nicht der Lebensmittelhygieneverordnung, jedoch dem § 20 Lebensmittelgesetz. Das macht es in der Praxis nicht ganz so streng, die Grundsätze der Hygiene sind aber auch hier zu beachten. Hygienemängel in der Urproduktion führen genauso zu Qualitätsproblemen. Möglichkeiten einer hygienisch nachteiligen Beeinflussung in der Urproduktion sind: 1) Staubbelastung bei nicht abgedeckter Honiglagerung 2) Schmutzeinbringung durch Zwischenlagerung der Honigzargen 3) Schleuderung in unhygienischer Umgebung 4) rostige oder unzureichend gereinigte Honigschleuder, Siebe, Lagergeschirr, Kleingeräte 5) unzureichende persönliche Hygiene und und und – eine lange Reihe möglicher Risiken. Sehr schön und umfangreich HIER als PDF nachzulesen.

Es geht hier – in der Erleichterung der Vorgaben bei der Urproduktion –  um die Stärkung der Eigenverantwortung (Gute Hygienepraxis). Das klingt alles recht kompliziert – und das ist es auch   🙂   Aber der eigene, gesunde Hausverstand sollte hier schon viel helfen. Sauberkeit in allen Bereichen, Personalhygiene, Produkthygiene, Kontrolle der Arbeiten, Kontrolle des Produktes. Nichts weitergeben, was man selber so nicht haben möchte. Die Ansprüche sollten hoch sein, sehr hoch. Zur Recht kann ein Imker stolz sein auf sein Produkt und das dann auch ‘in Verkehr bringen’.

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