Januar 2019 – Vermehrung…

Zucht: „Gezielte Selektion und Paarung von Tieren mit der Absicht, Nachkommen zu erhalten, die im Durchschnitt in ihren Eigenschaften einem festgelegten Zuchtziel näher sind als die Elterngeneration“ -> Der fachliche Schwerpunkt der laufenden Meisterausbildung. Detailliert in der Theorie, in der kommenden Saison auch in der Landwirtschaftsschule mit Praxis. Und gerade ist der Teil der Theorie abgeschlossen. Das Thema geht schnell auch dazu über, sich zu fragen, ob es mit der eigenen Überzeugung vereinbar ist, ‚Lebewesen zu selektieren‘. Verbände wie „Bio“ und Demeter erlauben eine Zucht, schränken sie jedoch auch ein (PDF zu Demeterrichtlinien). Tierschutz und Tierethik schreiben eine ‚artgerechte Behandlung‘ vor. Die Bienengärtnerin hat sich damit auseinandergesetzt und Auslese, Vermehrung und Zukauf von Königinnen wird Teil der eigenen Imkerei sein.

Die gezielte Auswahl von Tieren begann wohl im späten Mittelalter. Die systematische Tierzucht begann Ende des 19. Jahrhunderts. Die genetischen Regeln, die Gregor Johann Mendel nach Kreuzungsversuchen mit Erbsen kurz zuvor entdeckt hatte, übertrug man auf die Tierzucht. Die moderne Tierzucht hat die Leistung der Tiere stark verändert. Im imkerlichen Sprachgebrauch wird unter Königinnenzucht in erster Linie die Vermehrung von Königinnen verstanden.

Die natürliche Vermehrung der Bienen ist meist der Schwarm,
und der Imker bekommt einen Herzanfall, wenn er sowas in seinem Bienenstock sieht  🙂

Bei der Bienengaertnerin wird der Schwarm, die Vermehrung über einen Schwarm in einzelnen Fällen auch geduldet. Also nicht das Abschwärmen selbst, soweit geht’s nun nicht, aber die Teilung wird durchgeführt und die neue Königin akzeptiert. Wenn die Mutter bekannt ist und die Umstände des Schwarmdrucks auch klar sind, z.B. dass der Imker etwas verschlafen hat…

Bei den meisten eigenen Königinnen schaut es eher so aus. Zuchtstoff von einer eigenen Königin oder von bekannten Züchtern kommen in ein Begattungskästchen und ab auf die Belegstelle. Auf diesem Suchbild ist auch die junge Königin versteckt – mit etwas Glück und Geschick lässt sie sich finden…  🙂

Im Volk ist die junge Königin dann immer gezeichnet – hauptsächlich damit der ältere Imker sie rechtzeitig sieht und dann doch etwas vorsichtiger wird… Dann auch um zu erkennen, ob das Volk die Königin selbst ausgetauscht hat, dann gilt es zu bewerten, ob das so bleiben soll… Aktuell sind nun 24 Völker in den Winter gegangen, die meisten davon neue, junge Königinnen aus 2018.

 

Es sind für heuer schon Königinnen in Warth bestellt und sollen dann für das nächste Jahr neue Jungvölker führen. Die besten davon sind dann sicher wieder gute Kandidaten für die eigene Vermehrung. Und mehr als Vermehrung ist das nicht – es ist weit weg von einer Zucht.  Es ist ein guter Weg, die eigenen Völker in die richtige Richtung zu führen. Aus vorgegebenem Zuchtmaterial eigene, belegstellenbegattete junge Königinnen zu bekommen. Zucht selbst ist aber viel mehr und braucht unter anderem eine weit höhere Anzahl Völker um Auswahl, Selektion zu treffen. Die eigenen 20-25 Völker auf mehreren Standorten lassen eine eigene Zucht nicht zu.

Zucht bedeutet:

Also an der Theorie würde es nicht scheitern, aber in der Praxis bleibt die Bienengärtnerin zu klein für aktive Zucht.

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