Juni 2018 – Bee Bio

Ab wann sind Bienen denn Bio-Bienen und hat die Bienengaertnerin auch Bio-Bienen…   🙂  Nun ja, es geht ihnen sehr gut, aber zum zertifizierten Bienenadel gehören sie noch nicht   🙂 Kann aber noch kommen und war gerade am Anfang dieses Jahres ein ernstes Thema. Dieses Jahr wird es nun nicht mehr passieren, aber es wird alles vorbereitet um bei einer nächsten Veränderung ‚Bio‘ dann auch einzuschließen. Das ist einerseits eine Frage von persönlichen Grundsätzen, zwingt aber andererseits auch ‚EU-Vorschriften‘ auf, die auch nicht alle so ‚Praxisnahe‘ und glücklich sind. Zusätzlich kommen auch nicht zu unterschätzende Kosten und ‚Verwaltungsaufwand‘ hinzu.

Die Bezeichnungen „Öko“ und „Bio“ sind von der Europäischen Union per Verordnung geschützt und dürfen nur von zertifizierten Lebensmittel-Erzeugungsbetrieben verwendet werden. ‚Bio‘ bedeutet die Einhaltung von Vorschriften, die von der EU festgelegt und von einem Bio-Verband in ihren Richtlinien auch noch verschärft wurden. Ein Kontrollvertrag mit einer Kontrollfirma legt dies alles offen und sorgt dafür, das dieses Regelwerk auch eingehalten wurde. Aber nicht nur diese „Bio-Zertifizierung“ soll das oberste Ziel sein – die persönliche Überzeugung und Pflege dieses Lebensstils gehört dazu. Auch ist es ein Zeichen nach außen, ein Signal sich gewissen Einschränkungen zu unterwerfen und die eigene Einhaltung eines strengen Regelwerks auch kontrollieren zu lassen.

Sichtbares Ergebnis der Zertifizierung ist dann auf dem Produkt das „Bio-Gütesiegel„. Wer noch höhere Standards einhält (Bio-Verbände wie Bio-Austria, Demeter,…) kann zusätzlich weitere Bio-Labels verwenden. Wird dann irgendwann eng auf der Etikette   🙂

Kontrollfirmen in Österreich:

Nachfolgende Kontrollfirmen sind für ihre Tätigkeit zertifiziert. Man kann sich eine davon aussuchen und mit ihr einen Kontrollvertrag abschließen. Mit dem Abschluss des Kontrollvertrages und ab der Einhaltung der einschlägigen Bio-Richtlinien beginnt die Umstellungzeit. Zu Beginn der Umstellungszeit sollte das Wachs ausgetauscht oder eine Rückstands-Analyse durchgeführt werden, denn eine rückstandsfreie Wachsanalyse ist Voraussetzung für die Anerkennung. Die Probenziehung nach der 12-monatigen Umstellungszeit erfolgt durch den Kontrolleur und ist verpflichtend.

Regelwerke/Bio-Zertifizierungen:

Bienen und Honig werden nicht zertifiziert – sondern der Imker  🙂 Der ‚Betrieb‘ und die ‚Betriebsweise‘ wird geregelt und geprüft. Material, Arbeitsweise, Abläufe, Dokumentation – Der Umgang mit den Bienen. In Österreich sind es eigentlich drei ‚Regelwerke‘, die von den Kontrollfirmen geprüft, vom ‚Bio-Imker‘ eingehalten werden. Die Verbände ‚Bio-Austria‘ und ‚Demeter‘ steigern die Regeln der ‚EU-Bioverordnung‘ teilweise sehr stark. Demeter noch weit mehr als Bio-Austria.

Was sind die wesentlichsten Vorgaben für die Bio-Bienenhaltung?

  • Der Aufstellplatz für den Bienenstand
    z.b.: Biologisch bewirtschaftete Flächen sind zu bevorzugen.
            Bei Verdacht einer Belastung den Bienenstand eventuell aufgeben.
  • Die Beschaffenheit der Betriebsmittel
    z.B.: Nur aus natürlichen Materialien, z.B. Holz, Stroh, Lehm
            Außenanstrich ökologisch unbedenklich
  • Die Fütterung
    z.B.: Genügend Honig-Pollenvorräte belassen
            Ausschließlich biologische Futtermittel
  • Vorgaben für die Lagerung der Bienenprodukte
    z.B.: Lagergefäße aus Edelstahl (Bio-Austria)
  • Die Gesundheitsvorkehrung
    z.B.: Wärmebehandlung, Organische Säuren (Ameisensäure, Oxalsäure,…)
  • Die Abgrenzung in der Vermarktung der Produkte
  • Mindestens eine jährliche Kontrolle der Vorgaben für die Zertifizierung

Wachs als zentraler Aspekt ist natürlich richtig. Sowohl Honig und Pollen, als auch Bienenbrut kommen intensiv damit in Kontakt. Es können sich viele Fremdstoffe, die durch die Bienen oder durch die Betriebsweise des Imkers eingebracht werden festsetzen. Sind erstmal Substanzen im Wachs, bleiben sie auch dort. Will man seine Bienen und Produkte vor solchen Substanzen schützen, ist es wichtig, auf eine maximale Bauerneuerung zu achten. Die Bienengaertnerin hat die ersten 2 Jahre den Wachsbestand durch rückstandsfreies Wachs aufgebaut und seit 2 Jahren einen eigenen Wachskreislauf, es muß nie wieder Wachs gekauft werden. Da viel Wert auf Wachs gelegt wird, gibt es viel Naturbau und ca. 20 % frisches Wachs jedes Jahr zum eigenen Wachsbestand dazu.

Beispiele zum Vergleich der Richtlinien zwischen EU-Bio-Verordnung('Kodex'), BIO AUSTRIA und Demeter.
VorschriftKodexBio-AustriaDemeter
...
Material: Nur natüriche Materialien (z.B. Holz, Stroh, Leim)JaJaJa
Beuten Außenanstrich Ökologisch unbedenklich---JaJa
Ausschließlich biologische FuttermittelJaJaJa
KunstschwarmbildungJaJaNein
Vermehrung nur über natürlichem Schwarmtrieb------Ja
Abfüllung in Edelstahl (Demeter Edelstahl/Glas)---JaJa
Naturwabenbau---10 % im Brutraum100 % im Brutraum
...

Klingt kompliziert! Ist es auch  🙂 Die Bienengaertnerin hat sich nun schon länger damit beschäftigt und was zum ‚Bio‘ fehlt ist eigentlich nur die Unterschrift unter den Kontrollvertrag und die Umstellung von ‚Zucker‘ auf ‚Bio-Zucker‘. Außer dem Bio-Zucker werden alle Anforderungen des ‚Kodex-Regelwerks‘ erfüllt, sogar die strengere Bio-Austria-Richtlinie. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ‚lohnt sich Bio noch nicht‘ – bei der aktuellen Völkeranzahl die hier betreut werden. Die Zusatzkosten für Zertifizierung und Einhaltung des Regelwerkes braucht eine gewisse ‚Betriebsgröße‘. Ab 30, besser mehr, 50 Völker. Eine Bio-Vermarktung mit erhöhten Preisen muss wirtschaftlich die Zusatzkosten decken. Das ist wohl auch der Grund, warum nur 2-4% der Imker eine Bio-Zertifizierung haben. Da in Östereich ca. 99 % aller Imker nur Hobbyimker sind, ist eine Bio-Zertifizierung wirtschaftlich in diesen Größen nicht interessant – bei einigen ggf eine Glaubensfrage, dass das Bio-Siegel die Pflege des eigenen Lebensstils dokumentiert. Heuer gibt es viele Umstellungen bei der Bienengaertnerin, jede davon berücksichtigt auch die Bio-Zertifizierung. Der eigene Wachskreislauf wird verstärkt, es wird weiter in Edelstahlgefäße investiert, Materialien und Betriebsweise/Dokumentation wird angepasst. Die Bio-Zertifizierung kommt aus wirtschaftlichen Gründen erst dann, wenn eine Vergrößerung, Umstellung auf einen landwirtschaftlichen Betrieb passiert.

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