November 2018 – Carinthia->Lavanttal->Stift St. Paul

Zu Besuch bei Frater Nikolaus im Stift St. Paul, im südlichen Lavanttal. Mit den Benediktinern ist die Abtei zum „Schatzhaus Kärntens“ gewachsen. St. Paul besitzt deshalb heute eine der wertvollsten Klostersammlungen Europas. Eine Bibliothek die die Schreibkunst vom 5. bis zum 18. Jahrhundert lückenlos dokumentiert. St. Paul besitzt ca. 70.000 Bücher, darunter das älteste Buch des Landes und das erste Druckwerk Gutenbergs aus der Zeit um 1450 – Objekte, deren Wert sich gar nicht ermessen lässt. Eine eindrucksvolle mittelalterliche Basilika aus dem 12. Jahrhundert in dessen Gruft die Gebeine der ersten Habsburger ruhen – unter ihnen die Stammmutter der Habsburger und Gemahlin Rudolfs I, Anna Gertrude von Hohenberg.

Das Stiftsmuseums, mit einer Gesamtfläche von fast 4.000 m² ist auch das Zuhause eine der wertvollsten privaten Sammlungen Österreichs.  In den Sälen des Museums, die teilweise mit wertvollen Holzdecken aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet sind,  reichen die ausgestellten Objekte von mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten und Textilien über renaissancezeitliche und barocke Kostbarkeiten, eine wertvolle Gemäldegalerie mit Werken von Rubens, Van Dyck, Holbein, Leonardo da Vinci bis hin zum letzten großen Barockmaler Österreichs Kremser Schmidt mit angeschlossener Grafiksammlung (ca. 30.000 Blätter).

Und eine Imkerei gibt es auch 🙂 Es waren wohl die Kerzen, das Bienenwachs warum in vielen mittelalterlichen Klosteranlagen Imkereien zu finden waren. Es entstand in Süddeutschland die erste Imkerorganisation in Form der Zunft der Zeidler. Diese Zunft war hoch angesehen. Die Zunftangehörigen genossen zahlreiche Privilegien und hatten zwischen 1350 und 1779 eine eigene Gerichtsbarkeit durch das Zeidelgericht. Die Klöster betrieben eigene Imkereien und verpachteten Grund und Boden oft mit der Bedingung der Bienenhaltung und dem Zins in Form von Wachs. Die Preise für die Bienenprodukte waren damals ziemlich hoch. Ein Bienenvolk war da genausoviel wert wie eine Kuh. Im Mittelalter hatte die Imkerei eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, doch der aufkommende „Kolonialzucker„, Reformation und die Auflösung von Klöstern sowie der Dreißigjährige Krieg mit seinen ungeheuren Verwüstungen beendete wohl die blühende Bienenwirtschaft.

Bienen und Klöster sind seit Jahrhunderten einen gemeinsamen Weg gegangen. In St. Paul ist mit Frater Nikolaus eine alte Tradition wieder zurückgekehrt – wo es im Stift zuletzt vor 200 Jahren Bienenwirtschaft gab. Er hat eine Jahrhunderte alte Tradition aufgegriffen, denn die Haltung von Bienenvölkern gehörte immer zur klösterlichen  Landwirtschaft. Eine Imkerei die inzwischen auch Bio-Zertifiziert ist und in die Gewölbe des Stifts traumhaft integriert ist. Stiftshonig gibt es im Museumsshop, Vorwiegend Waldhonig, wo die Bienen im Sommer oft vom Stiftshügel nach Soboth auf 1.300 Meter in den Wald umziehen dürfen. Er war schon auf recht vielen Völkern, geplant war sogar eine richtige Erwerbsimkerei und nun wird die Imkerei doch nicht vergrößert. Eine Destillerie ist im Aufbau und da wird großes noch dazukommen. Das Handwerk der Destillation feiner Brände hat ebenso im Kloster eine lange Tradition. Es ist jetzt schon in den Gewölben zu sehen, dass auch hier Imposantes passieren wird.

Ein Reisebericht – zustande gekommen durch die gemeinsame Ausbildung in Warth. Ein sehr wichtiger Teil der Ausbildung ist die gemeinsame Zeit neben und nach dem Unterricht. Nicht nur in den Fächern wird viel vermittelt, auch untereinander findet ein reger Erfahrungsaustausch statt. Herzlichen Dank Nikolaus für die viele Zeit, die du in St. Paul zur Verfügung gestellt hast. Es war faszinierend so eine privaten, persönlichen Einblick in das Stift, das Ordensleben und eine Lebensphilosophie zu bekommen. Es waren sehr interessante Tage in St. Paul und es war mehr als nur ein Besuch bei einem Imkerkollegen. Hoffentlich bald wieder!

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