Wachs

Honigbienen zählen zu den wenigen Lebewesen, die ihren Baustoff im eigenen Körper erzeugen. Das wäre, wie wenn wir Menschen Ziegel aus unserem Körper produzieren würden. Die Bienen besitzen auf der Bauchseite 4 Paar Wachsdrüsen, aus denen das Wachs in flüssiger Form ausscheiden. Sie schwitzen es praktisch aus. An der Luft erstarrt das Wachs zu ovalen, durchsichtigen Plättchen. Mit den Mundwerkzeugen bearbeiten sie das Wachs und bauen daraus die Waben, verwenden es zum Verdeckeln der Brutzellen und der Honigzellen. ‚Bauen‘ ist ein wichtiger Lebensabschnitt – so ab dem 11. Lebenstag werden die Wachsdrüsen aktiv und ca. bis zum 18. Lebenstag ist die Biene in dieser Funktion am aktivsten. Das Bauen kostet der Biene Kraft – in Form von Kohlenhydraten. Die Baubiene verbraucht viel Honig und Pollen für ihre Tätigkeit. Pro Kilo Wachs werden einige Kilo Honig (ca. 4-6) als ‚Energie zum Bauen‘ verbraucht.

Wachs ist also ursprünglich transparent und erhält erst durch eingelagerten Pollen die gelbe Farbe, aber auch Propolis, Honig und Ablagerungen von Brut verfärben das Wachs.
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Das Deckelwachs von den Honigwaben, das man bei der Honigernte abnimmt, ist das reinste Wachs, es ist auch unbelastet von Mitteln zur notwendigen Varroabehandlung. Dieses Wachs wird in der Kosmetik auch als Salbenbestandteil verwendet. Bienenwachs hat ca. 300 verschiedene Inhaltsstoffe in wechselnder Zusammensetzung. Die wichtigsten davon sind Fettsäuren, Fettsäurenester und Kohlenwasserstoffe. Es schmilzt bei ca. 65 °C und erstarrt bei ca. 58 °C.

Wachsbearbeitung, Wachskreislauf

Waben werden durch mehrmalige Verwendung durch die Bienen dunkel. Insbesondere häufig bebrütete Waben werden mit der Zeit dunkelbraun/schwarz und es lagern sich Verpuppungshäutchen ab. Um die Hygiene im Bienenstock zu fördern sollte der Imker jedes Jahr unansehnliche und stark bebrütete Waben entnehmen und sie gegen neu zu bauende austauschen. Ein regelmäßiger ‚Wabenumtrieb‘ – Austausch der Altwaben – ist wichtig zur Vermeidung von Krankheiten. Natürlich lebt auch die Biene lieber und gesünder in einem frischen, neuen Heim.

Die Wiedergewinnung des Wachses aus den alten Waben ist eine zeitaufwändige und auch geruchsintensive Tätigkeit. Bei uns ist Peter der Wachsmeister.

DRaehmchen2_500er Wachskreislauf beginnt bei den Rähmchen, die man den Bienen zum Bauen der Waben zur Verfügung stellt. Durch die Holzleisten wird ein Edelstahl-Draht gespannt. Mit Hilfe eines Trafos schmilzt man sogenannte Mittelwände aus Wachs auf den Draht. Eine Mittelwand ist eine dünne Wachsplatte mit einer Wabenstruktur auf beiden Seiten, die den Bienen die Baurichtung vorgibt und ihnen auch Arbeit abnimmt. Der Bautrieb ist bei Bienen stark ausgeprägt und ist eine wichtige Eigenschaft eines gesunden Volks, die auch den Schwarmtrieb eindämmt. Sind die Bienen beschäftigt, haben sie weniger Lust ihre Koffer zu packen…. Wir wollen den natürlichen Bautrieb der Bienen fördern und geben ihnen zumeist nur Rähmchen mit einem schmalen Mittelwandstreifen zum Baubeginn. Wachs ist für uns ein wichtiges Bienenprodukt das wir fördern – auch wenn der Honigertrag dadurch niedriger sein sollte.

Will man nun aus „entsorgten“ Rähmchen das Wachs zurückgewinnen, gibt es mehrere Methoden. Man benützt einen Sonnenwachsschmelzer, eine Wanne mit Glasdeckel und Auffangbehälter, in die man die Rähmchen legt und die Wanne stellt man in die Sonne. Die Hitzeentwicklung ist enorm (ca. 130 °C), das Wachs tropft relativ rein in den Auffangbehälter. Man hat keinen Energieaufwand, um das Wachs heraus zu schmelzen – bei 100 Rähmchen ist dieser Faktor nicht zu vernachlässigen. Aber, wie der Name schon sagt, benötigt das gute Stück Sonnenschein. Bei diesem anhaltend kalten und verregneten August 2014 war diese Methode zu vergessen…

Wachs_1_500Die andere Variante ist ein elektro- oder gasbetriebener Dampfwachsschmelzer, wo man die Rähmchen mit etwas Wasser gemeinsam erhitzt, bis sich das Wachs – aber auch der Schmutz – löst. Erkaltet nimmt man den Wachsblock aus dem Topf und nimmt die unten angesetzte Schmutzschicht ab. Bebrütete Waben entwickeln beim Auskochen einen sehr unangenehmen Geruch.

Das Wachs reinigt/klärt man nun mit immer wieder den selben Arbeitsschritten: Wachs mit etwas Wasser aufkochen, erkalten lassen, Schmutzschicht entfernen. Auch das Wachs aus dem Sonnenwachsschmelzer wird so behandelt. Das macht man so oft, bis der Wachsblock eine saubere, schöne gelbe Farbe aufweist – er sieht nun aus wie ein großer Laib Käse.

Die Wachsblöcke bringt man nun zu einem Wachsverarbeiter zum Entkeimen (mindestens 20 Minuten auf ca. 140 °C halten) , damit keinesfalls irgendwelche Krankheitserreger erhalten bleiben, und lässt sie zu neuen Mittelwänden umarbeiten. Diese Wachsumarbeitung in Mittelwände machen manche Imker selbst mit ‚Mittelwandpressen‘. Wir machen das nicht – uns ist ein professionelles Entkeimen durch einen Wachsverarbeiter wichtig.

Wir arbeiten noch an einem eigenen Wachskreislauf – wir hoffen nächstes Jahr sind wir soweit.

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